Tatsächlich ist es soweit: Die Brinke wird nun nach langem hin und her
geräumt. Gestern Morgen wurde die Räumung nun initiiert und vollzogen. In
unserem Artikel „Brinke 16-17 - eine Aktion, die aus dem Ruder läuft“ haben wir
euch bereits auf die Umstände in der Brinke hingewiesen.
Was wird sich jetzt in der Brinke ändern?
Zunächst einmal soll das Gebäude der Brinke abgerissen werde, sodass das
alte Haus von der Stadtfläche verschwindet und neue Eigentumswohnungen gebaut
werden können. Hoffentlich wird es auch um die Brinke 16-17 nun endlich etwas ruhiger
und das Chaos (nein, damit sind die nicht Aktivisten gemeint) wird sich von nun
an verabschieden.
Die Räumung zusammengefasst:
Morgens gegen 9:30 Uhr trafen die Polizeibeamten in der Brinke ein. Es wurde versucht, die Demonstranten und Besetzer des Gebäudes zu verweisen, um
mit den Räumungsarbeiten und dem Abriss zu beginnen. Leider kam es zu
Komplikationen, denn die Aktivisten leisteten enormen Widerstand, allerdings werden
auch der Polizei sowie anderen Verantwortlichen massive Kritiken am Vorgehen zu
Teil. Ob die Räumung rechtlich einwandfrei verlief, wird z.T bezweifelt. Informationen
zufolge möchte die Initiative rechtliche Schritte gegen den Bauunternehmer
einleiten, da der Verdacht gehegt wurde, dass während des Vorgehens das Gas
nicht abgestellt wurde – zweifellos eine Gefahr für Leib und Leben. Nähere
Informationen werden euch so schnell wie möglich mitgeteilt.
Kommentar:
Recherchiert man im
Internet hinsichtlich einer Stellungnahme der Aktivisten zu dem gestrigen
Ablauf der Räumung, so wird man doch etwas fündig. Interessant hierbei ist die
Aussage des „Brinke 16bis17“ –Portals: „Der Eigentümer hat mit dem Abriss unter diesen Umständen Menschenleben
aufs Spiel gesetzt, um seine wirtschaftlichen Einzelinteressen durchzusetzen.
[…]“. Sicherlich mögen diese Personen kein gutes Wort über den Bauherren
verlauten lassen, aber ist „wirtschaftliche Einzelinteressen“ wirklich das
richtige Stichwort? Nicht umsonst läuft nun gegen zehn der Besetzer ein
Ermittlungsverfahren wegen Hausfriedensbruchs. Auffällig ist
ebenfalls, dass diese Initiative u.a verschweigt, dass auch gegen zwei Besetzer
ein Ermittlungsverfahren wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte eingeleitet wurde. Die Initiative beklagt außerdem, dass die Polizei
gegen das „Versammlungsrecht“ verstoßen habe (das mag so zu betrachten sein),
allerdings verliert die Initiative auch kein Wort darüber, dass gegen einen Teilnehmer
eine Anzeige vorliegt – richtig, wegen Verstoßes
gegen das Versammlungsgesetz! Dass solche wichtigen Informationen rund um den
Vorgang der Räumung unterdrückt werden, ist dezent verständlich, aber
regelrecht bedauernswert, denn schließlich sollte zumindest der Glaubwürdigkeit wegen eine Berichterstattung der „Schattenseite“ dieser Aktion geleistet werden.
Doch wie steht die Bevölkerung unserer schönen
Hansestadt zu der Räumung?
Verfolgt man Leserkommentare aus diversen Medien, ist deutlich erkennbar, dass nicht wenige die Räumung als eine Art Erleichterung sehen. Betrachtet
man die Fotos der Brinke (wenn man gestern nicht vor Ort war), fällt sofort die
optisch missfallende Umgebung ins Auge. Um den Erhalt eines nach subjektiver Auffassung
für das Stadtbild wertvolle, historisch bedeutsamen Gebäudes zu kämpfen und erzielen
wollen, verdient Respekt und Anerkennung. Die Umgebung hingegen so verkommen zu
lassen, ist unglaublich unerfreulich und stellt die Aktivisten sowie die Beteiligten
einem Verwüstungskommando gleich. Wollte man doch um den Erhalt werben, sollte
man doch versuchen, die Umgebung sauber zu halten und nicht in einen heruntergekommenen
Campingplatz transformieren. Eine (oder vielleicht auch mehrere?) Mahnwache(n)
sollen trotz alledem stattfinden. Sogar der Abriss scheint den
widerstandsfähigen Aktivisten kein Hindernis zu sein, sondern eher eine
Motivation. Bleibt zu hoffen, dass die Mahnwachen friedlich verlaufen, ohne
weiteren Missmut anzurichten. Vielleicht akzeptieren ja die Aktivisten und
Beteiligten in naher Zukunft, dass ihr „Kampf“ gegen den Abriss der Brinke nun
endgültig verloren ist. Auch eine Niederlage muss man eingestehen können!
Insgesamt betrachtet
ist einschlägig, dass sowohl die Initiative „Brinke 16bis17“ sowie andere
Teilnehmer doch eher linkstendenziösen Pragmatismus in die ganze Angelegenheit
fließen lassen, sodass sich wieder einmal die Frage stellt, ob die
Hausbesetzung der Brinke nicht (primär) der Rettung des Bioladens und dem Erhalt
der Architektur dient, sondern schlichtweg ein Protest gegen den Kapitalismus und die Rechtsordnung darstellt– getreu dem Motto „viva
la revolución“.
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